A P R I L (A piece for violin and piano), Op. 3

Dieses Stück ist der Versuch einer musikalischen Tondichtung im 20. Jahrhundert. Wie der Titel schon besagt, wechseln die Stimmungen im Stück wie das Wetter im April (Mai, Juni, Juli oder August, etc.). Außerdem ist das ganz Stück nicht sehr ernst zu nehmen, wie so manche Scherze am Ersten des besagten Monats. Es ist, so könnte man sagen, eine Art von Anti-Heldenleben im wahrsten Sinne des Wortes, da hier nicht Stärken und positiven Dinge hervorgehoben, sondern normalerweise gar nicht vorkommende Schwächen und Dummheiten eines Anti-Helden persifliert werden.

Die Geige stellt den (Anti-)Helden dar, das Klavier die (böse oder gute) Umwelt. Und dies alles im Sinne einer musikalischen Parodie.

Die Form des Stückes ist schwer zu beschreiben. Man könnte ‘Potpourri’ dazu sagen. Am besten jedoch, man beschreibt das Stück wie eben eine (Ton)Dichtung.

Zum Stück: Eintönig geht das Leben (vielleicht im Bureau) dahin. Gelangweilt (wie schon die Tempobezeichnung "Andante, but a little bored" zeigt) spielt der Geiger seine Melodei zur öden Achtelbewegung des Pianofortes. Zwar versucht er schon nach zehn Takten durch Doppelgriff-Spielen auszubrechen, was jedoch die Umwelt etwas aufregt: "Ja ist denn der Kerl verrückt geworden?" Doch ändert das nichts an der Situation! Denn erst ein großes Ereignis von außen, ausgedrückt durch einige Akkorde "à la Meistersinger", verändern die Lage.
Total überrascht hält der Geiger inne, spielt darauf völlig verschreckt eine ängstliche Kadenz und fällt dann sofort wieder zurück in sein langweiliges Leben.
Und wieder tritt der "Meistersinger" in sein Leben, diesmal stark Mussorgsky’sch eingefärbt.
Der Geiger, zwar wieder verschreckt, erfaßt diesmal die Situation, die sich jedoch gleich in falschen "Tristan"-Akkorde auflöst.
Dies bewirkt im ANTIHELDEN solch einen Schock, daß er nur flüstern kann (auf der Geige natürlich). Worauf er "Schmalz à la Godowsky" zu spielen beginnt. Zwar unterbricht er mit einer avantgardistischen anmutenden Kadenz, die quasi frägt: "Na, ist denn das nicht schön?", spielt dann jedoch seinen Godowsky weiter, wobei die Umwelt (im Klavier) durchaus normal reagiert. Sie gibt nämlich auf die dumme Frage, wie so oft, dumme Antworten, so das Zitat :"Nie sollst du mich befragen", sowie chopineske und Johann-Strauß’sche Wendungen.
Wie so oft, übertreibt jetzt der Held; das Godowsky-Thema kommt einen halbotn höher, noch höher und so weiter ...

Währenddessen wird die Umwelt immer dissonanter und es kommt zu einer richtiggehenden Cluster-Orgie; jetzt scheint alles aus zu sein, der Geiger beginnt müde und traurig sein altes Lied, nämlich die langweilige Achtelbewegung vom Anfang. Im Klavier traurig Chopin’s A-Dur-Polonaise, natürlich falsch. Doch rafft sich der Antiheld auf und beginnt ein Spottlied auf sich selbst, unterbrochen durch einen Schmerzensausbruch.
Aus dem Spottgesang und Gelächter erhebt sich am Schluß ein "wirklich schönes" Thema, da jedoch der Geiger als echter Antiheld gar nicht erkennen kann. Er setzt dem ganzen brutal ein Ende.
April, April !

Das Werk dauert ca. 9 Minuten
Gewidmet: with admiration to Nathan Milstein
Uraufführung 1978 in Weiz