"Hommage à un temps perdu" (Op. 6)
für Violine mit Klavierbegleitung

komponiert zwischen Oktober 1980 und April 1981 in Paris und Wien

Wir alle lieben und verehren die alten Kulturen, ihre großen Meister und Werke, die eine Welt repräsentieren, nach der wir uns sehnen. Denn wir haben neues Terrain gefunden, völlig verschieden von allem, wofür die alten Meister und ihre Nachahmer bis zu Beginn unseres Jahrhunderts und in gewissen Spätfolgen bis zum heutigen Tag als Symbolfiguren angesehen werden. Heute werden wir uns langsam bewusst, daß wir uns mit all den Schwierigkeiten und Problemen unseres Jahrhunderts endlich ernsthaft auseinandersetzen müssen und daher notgedrungen zu Fremden in einer alten geistigen Welt werden. Trotzdem wir gerne in dieser "verlorenen Zeit" (un "temps perdu") untertauchen würden, wissen wir, daß ein gemeinsames Leben der Milliarden Menschen auf unserem Planeten nur dann möglich sein wird, wenn es uns gelingt, eine vollkommen neue Konzeption für alle Bereich des Lebens zu erstellen und zu erarbeiten, welches nur in einer ungeheuren Anstrengung der gesamten Menschheit erreicht werden kann. Von allen offenen und aufgeschlossenen Menschen, gerade auch von jenen, die unter zahlreichen Ungerechtigkeiten und Vorurteilen zu leiden haben. die Verfolgung wertvoller Geschöpfe aus politischen oder rassistischen Gründen, ob es nun Behinderte, Minoritäten, Frauen und Kinder sein mögen, grundsätzlich aber jeder Versuch, die Bekanntmachung neuer Arten des Denkens zu unterdrücken (ob mit Versuch von Manipulation oder offener Gewalt) ist nicht nur intelligent, sondern in höchstem Grad gefährlich für das Überleben der Menschheit. Jede Imitation der Traditionen und ihrer Formen trägt bereits den Keim zur Verfolgung des lebendigen Geistes in sich. Dennoch wissen wir, daß wir ohne unsere Vergangenheit die Gedanken nicht fassen könnten, die einzig zur Lösung der gegenwärtigen Probleme der Menschheit beitragen könnten.

Dies waren die Gründe, die mich zur Komposition meiner Werkes
"HOMMAGE À UN TEMPS PERDU"
geführt haben.

Aus drei verschiedenen Intervallen, die in der CADENCE vorgestellt und dann mit Hilfe des Klaviers kombinierte werden, entwickeln sich unter Zuhilfenahme älterer Gesangs- und Tanzformen wie AIR, HABENERA, VALSE und ZAPATEADO unter deren Oberfläche neuartige harmonische Verbindungen. Das PETIT PERPETUUM MOBILE schließt das Werk virtuos ab, das in seiner Gesamtheit an die große geigerische Virtuosentradition erinnern soll, die in Europa durch Ereignisse der Weltkriege nur mehr als romantische Erinnerung erscheint - ist das eine "verlorene Zeit"? Eine Zeit, zu der wir keine Beziehung mehr haben?

Dauer des Werks ca. 6 Minuten.
Uraufführung der letzten und gültigen Fassung in Warschau Juni 1981

Gewidmet ist das Werk allen großen Geigern, die ich verehre.