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René Staar aktuell
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Interessant für Instrumentalisten wie ....
The Fortunes of War
Structures II, op. 7/2
10 Studies to " Just an Accident?", op. 9 bis
Minuit à la Perle du Lac - un Ciel Étoilé
Sitzchen - Ernst Krenek zum 85. Geburtstag, op. 14/1b
Bagatellen auf den Namen György Ligeti, op. 14/3a
Movimientos para Don José Haydn, op. 8
Ständchen Ernst Krenek zum 85. Geburtstag, op. 14/1a
Halbthurn Capriccioso per Roberto, op. 14 Nr.2
Minotaurus-Studie op. 23a
April, op. 3 (1977)
Hommage à un Temps Perdu, op. 6
Epilogue to "Just an Accident?", op. 9 ter
Minuit à la Perle du Lac - un Ciel Étoilé, op. 10/2
Danse - Visions No. 1: "Satisfaction", op. 10/3
Zwei Lieder Nach Worten der Else Lasker-Schüler (1987-95)
Structures III, op. 7/3
Versunkene Träume, op. 22c
Gemini Duette-Zyklus, op. 24
Duell zwischen zwei Violinen Op.27 IIA1
Studie in verschiedenen Bewegungsmustern Op.27 IIB1
Structures, op.7/1
Structures IV, op. 7/4
Structures V, op. 7/5 (1982)
Premier Trio Pour Piano, Violon et Violoncelle en un Mouvement op. 11/1
Adagio in Gedenken an Nino lo Bello, op. 32
Divertissement Suisse No. 5 für Flöte, Viola und Harfe, op. 10 Nr. 5
Monumentum pro Thomas Alva Edison Erectum A.D.MIIM op.34/1
Trauermusik für Olof Palme / Mourning Music for Olof Palme / Sorgemusik för Olof Palme, op. 13a
Växande Slottet / The Growing Castle / Das Wachsende Schloss
Heine-Fragmente
Metamorphosen eines Labyrinths op. 22a
Just An Accident? (A Requiem for Anton Webern and Other Victims of the Absurd), op. 9
La Fontaine du Sang, op. 22b
Rinne-tensho
Cat Music
August 18th, 1936.... (death of a gypsy boy)
Descendances imaginaires Op.22 f (Erträumte Herkunft) |
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EPILOGUE TO "JUST AN ACCIDENT ?"
Op.9ter für Violine mit Klavierbegleitung
(2 MB)
"Just an Accident? A Requiem for Anton Webern and Other Victims of the Absurd" entstand Mitte der achtziger Jahre nach einem Text des in Prag ansässigen amerikanischen Schriftstellers und Journalisten Alan Levy. Das Werk für großes Orchester, eine Auftragsarbeit für Philippe Entremont und das New Orleans Symphony Orchestra, ist aus einer früheren Fassung für Kammerorchester hervorgegangen. Der Text besteht in seinem Kern aus mehreren Episoden, die in absurder Unfreiwilligkeit beendete Künstler-Schicksale nacherlebbar machen. Er handelt von Anton Webern, den durch einen tragischen Zufall erschossenen, vom spanischen Komponisten Enrique Granados, der zum unschuldigen Kriegsopfer wurde oder dem durch einen Gasunfall aus dem Leben gerissenen tschechischen Kabarettisten und Maler Jiri Slitr. Die Berichte werden wie Illuminationen in den Werkverlauf eingeblendet und spüren so in immer neuen Facetten dem eigentlichen Thema des Stückes nach: dem Verhältnis von Freigelassenem und Gemessenem, von Flüchtigkeit und Beständigkeit. Die von einem Sprecher in dokumentarischer Präzision vorgetragenen Kurzerzählungen werden dabei mehrfach durch nachgestellte Reflexionen der Gesangsstimme sowie durch einzelne Orchesterzwischenspiele unterbrochen.
Trotz der eindringlichen Expressivität jedes Details der Komposition neigt das Stück durch seine verschiedenen Perspektiven auf ironische, ergriffene, skeptische oder verzweifelte Wechselfälle von Zufall und Determination zum Fragmentarischen. Zahlreiche Ausdrucksgesten und mimetische Effekte, wie eine "Gunfire-machine" und Sirenen, die Nachbildung der dodekaphonen Idiomatik Weberns (ohne dabei rechnerisch streng zu verfahren), ein Mahlerscher "Trauermarsch"-Charakter oder der Einsatz der "Combo" und ihrer Folklore-Elemente (etwa der Kastagnetten zum "Fandango"), ein "Cancion", "Cha-cha"-, "Foxtrot"- und "Blues"-Elemente, prägen die Vielfalt der Einzelepisoden. Wo zu Beginn in einem ersten Abschnitt zu Webern der "Unsterblichkeit" der Kunst gedacht wird, ironisiert die Sängerin später in der Erinnerung an den Satiriker Slitr die Würde dieser ewigen Kunst mit parodistisch schnippenden Fingern. Die Aufforderung, jenen Opfern des Absurden zu huldigen, deren künstlerische Werke ihren eigenen Tod überleben werden, wird gegen Ende vom Sprecher fast verzweifelt hinausgeschrieen. Den einzelnen Geschichten, die selbst den Zufall und die Vorherbestimmung, die explizite Verbindungslosigkeit des Episodenhaften wie die implizite Rationalität des ungebrochenen Zeitablaufs hervorheben, ist dabei das lineare Verständnis einer einzigen erzählten Geschichte zerbrochen. Das ganze Werk ist vielmehr montageartig angelegt, es verbindet in traumähnlich kalkulierter Unschärfe verschiedene Zeitebenen, Stilhöhen und musikalische Traditionsmasken miteinander, die oftmals sogar verfremdet erscheinen.
Auch formal zeigt die Komposition, daß der Zufall nicht als beziehungslose Größe betrachtet werden darf, die nur das schlechthin Irrationale darstellt. Zufall ist zwar das Inkalkulable, nicht Begründbare, ohne jede Regelmäßigkeit auftretende. Zufälliges aber tritt nur dort auf, wo man Zweckmäßigkeit erwartet. Das geplant Improvisatorische der Reihung, die Vielfalt der Aussagen, der Blick aus verschiedenen Perspektiven, will sich den zahlreichen, wechselseitig gespiegelten Facetten des Absurden beschreibend annähern, im Bewußtsein, sie nicht systematisieren oder gar erklären zu können. Gegen Ende verdichten sich solche Beschreibungen in Aufzählungen weiterer Opfer des Absurden von Jean-Baptiste Lully bis John Lennon. Eine starr wirkende und dennoch in sich vielfältig changierende Rhythmusfolge mit stampfenden Ostinato-Wiederholungen, die in tumultuöser Bewegung jäh abreißt, schließt sich dieser Partie an.
Das stete Verändern scheinbar ohne Ziel, das den Werkverlauf prägt, deutet die Ausweglosigkeit der Richtungsvorgaben des menschlichen Lebens. Paradoxerweise wird jede der Einblendungen gefolgt von einer konzentrierten "Espressivo"-Partie im Tonfall der Werke Weberns, die als einziger, immer wieder auftretender Abschnitt des Stückes dessen formalen Zusammenhalt gewährleistet. Hierzu räsoniert die Gesangsstimme über das jeweils zuvor erzählte Geschehen und fängt die zufälligen Lebensschicksale mit tröstenden perennischen Weisheiten auf ("ars longa, vita brevis"). Aus diesem konstant erscheinenden Material tritt einzig am Schluß - und nur im Orchester - eine meditativ fließende, entspannte Melodie hervor. Die Singstimme verstummt, das Satzbild trennt die Ebene des Sprechers von einer kantablen, weit atmenden Stimmführung des Orchesterparts. Dieses Ende mit seinem schließlich erstarrten morendo-Klang erinnert im Text an den Mörder Weberns als letztes Opfer des Absurden, der sich selbst aus schlechtem Gewissen zu Tode trank, nicht wissend, was er getan hatte, der Nachwelt unbekannt. Das Wissen um das Nicht-Wissen als Einzigem, was mit Gewißheit über das Absurde gedacht werden kann, bescheidet sich hier also in der Rückkehr zu einem sprachhaften, natürlich gelösten Ausdruck. Kommentierte und reflektierte die Singstimme den Sprechertext, so hebt der Orchesterpart gesprochenes und gesungenes Wort nun gleichsam im beredten Schweigen der Musik auf. Damit wird nicht nur die Unfähigkeit zur gesicherten Mitteilung, sondern gerade die Sprachlosigkeit gekennzeichnet, ein im Angesicht des Absurden Verstummendes, das Erzählung und Reflexion vereint. Eine wortgewaltige Sprachlosigkeit redet aus jeder Zeile eines Werkes, dessen eigentlicher Gegenstand das Fragezeichen ist, welches den Titel der Komposition beschließt.
Text: Matthias Schmidt
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