Adagio im Gedenken an Nino Lo Bello
für Violine, Cello, Klarinette, Horn und Klavier

Wenn Freunde plötzlich und unvermutet sterben, dann bewirkt dies nicht nur Empfindungen wie Trauer und Schmerz. Ein reflektierender Prozeß der Erinnerungen, der Versuch, den Verlust durch das Nachdenken über Sinn des Lebens, Bestimmung des menschlichen Daseins zu verkraften, setzt ein. Der Versuch des Künstlers, die "verlorengegangenen" Person durch ein Bild, ein Gedicht, eine Komposition, in der Erinnerung zu fixieren ist da vielleicht der persönlichste Nachruf, der nicht nur etwas mit diesem Menschen zu tun hat, sondern auch viel mit demjenigen, der dieses "Nachrufen", dieses Festhalten wollen, künstlerisch ausdrücken will, mit dem Erleben, den gemeinsamen Erinnerungen, auch mit Dingen, die etwas für beide bedeutet haben.

Nino Lo Bello war ein echter Freund nicht nur des Komponisten, sondern auch des gesamten Ensembles Wiener Collage. Als amerikanischer Journalist und Reiseschriftsteller liebte er Europa, lebte lange Zeit in Italien und seit den frühen 70er Jahren in Wien. Er begleitete den Komponisten journalistisch auf einigen seiner wichtigsten Stationen und war als Kenner und Liebhaber der klassischen Musik, besonders auch der Oper, auch einer der treuesten Besucher der Konzerte des Ensembles, bevor er 1994 in die Vereinigten Staaten zurückkehrte. Er verstarb ganz plötzlich auf dem Weg in die National Library in Washington D.C. im Frühjahr 1997.

Die Besetzung des Werks wurde vom Komponisten aus jenen gewählt, die das Ensemble selbst in seiner zehnjährigen Tätigkeit entwickelt hat und die dem Komponisten als ideal erschien, das Gedenken musikalisch innerhalb eines Adagios auszudrücken.

Das Werk entstand im Sommer 1997 und wurde im Jubiläumskonzert "10 Jahre Ensemble Wiener Collage" am 20. September 1997 im ORF Sendesaal uraufgeführt. Weitere Aufführungen in Rom und Budapest folgten.