august 18th, 1936.... (death of a gypsy boy)

for narrator, female voice and chamber ensemble
Text by Amy Leverenz

Der Mensch als willen- und hilfloses Geschöpf in einer durch egoistische Machtpolitik geprägten Gesellschaft ist eines der Lieblingsthemen des Komponisten René Staar. Besonders in den fünf Genfer Jahren des Komponisten (1981-1986) wurden Ereignisse solcher Art aus Geschichte und Gegenwart prägend für das Schaffen des Komponisten. Werke wie das später mit dem Ernst Krenek Preis der Stadt Wien ausgezeichnete "Just an Accident? A Requiem for Anton Webern and Other Victims of the Absurd" (Text: Alan Levy, entstanden 1982-85) oder das Streichquartett "Versunkene Träume" (1993) wären ohne die zahlreichen Ideen und Vorarbeiten seiner Genfer Jahre nicht denkbar.

Die in diese Jahre hineinfallende Beschäftigung mit Leben und Werk des 1936 in Granada ermordeten spanischen Schriftstellers Federico Garcia Lorca (FGL) führte auch zu dem Projekt eines Stücks über den Tod des Dichters. An dieses alte Projekt erinnerte sich der Komponist wieder, als er aufgefordert wurde, Projekte mit Bezug auf FGL bei einem Festival einzureichen. Bei der neuerlichen Beschäftigung mit der Materie erweiterte sich jedoch das Projekt zu einem Plan, ein Werk über den spanischen Bürgerkrieg zu schreiben, eine Art Tagebuch, wovon nun der 18. August 1936 nur eine vieler Eintragungen sein kann. Die amerikanische Librettistin Amy Leverenz nahm sich dieses Projekts an und schrieb den Text zum "18.August". Das vorliegende Stück ist also eine der Seiten eines "works in progress", das der Komponist zu gegebener Zeit weiterführen will.

Wie alle Werke der letzten Zeit aus der Feder des Komponisten ist das Werk mit Hilfe einer Kompositionsmethode geschrieben, die Staar als Akkorddispositionstheorie bezeichnet. Es ist dies eine harmonische Methode, die die Intervalle eines Akkords stets aufs neue umdeutet und vertauscht, vergleicht, transponiert umkehrt. Im weitesten Sinn erinnert die Methode an die Reihenkomposition, ist jedoch im Unterschied zu dieser keine lineare, sondern eine harmonische Kompositionsweise. Dazu benutzt der Komponist seit neuestem sein zusammen mit Gottfried Hinker entwickeltes "Generative Chord Computer Program" (GCCP).

Vor einigen Jahren beschäftigte sich der Komponist bei der Komposition seines "Minotaurus Balletts" mit Flamencorhythmen. Einige der damals gewonnenen rhythmischen Strukturen fließen nun auch in das vorliegende Werk ein. Die Intention des Komponisten war es, ein Werk zu schaffen, das auch klanglich und rhythmisch zumindest einen "spanischen touch" erhält. Das Stück besteht aus mehreren Teilen, zunächst einem Vorspiel des siebenköpfigen Instrumentalensembles, das drei verschiedene kontrastierende harmonisch-rhythmische Motivpartikel kontrapunktisch ineinander verflechtet. Danach erfolgt die erzählung des Todes FGL's über einer sich an Flamencorhythmen anlehnende Struktur und als "quasi" Abgesang das Gedicht "sorpresa" von FGL.