TRIO No.1 pour violon, violoncelle et piano Op.11 No.1
en un movement

Das musikalische Grundmaterial des Werks ist eine Harmoniekette mit zwei verschiedenen Intervallkombinationen bestehend aus Dreiklängen, die über einen Cantus Firmus aufgeschichtet sind - aus dem Kyrie der Notre Dame - Messe von Guillaume de Machaut (13oo - 1377), dem Meister der sogenannte ARS NOVA - Zeit. Diese Harmoniekette erscheint jedoch nie in Originalgestalt und auch nie in durchlaufender Reihenfolge. Vielmehr ist sie in 4mal 6 verschieden lange Teil eingeteilt; das heißt, dieselbe Harmoniekette wird 4mal verwendet, jedesmal aber anders eingeteilt, jedoch immer in 6 Teile. Schematisch sieht das so aus, wenn man die 4 verschiedenen Verwendungsmöglichkeiten der Harmoniekette mit den Buchstaben A-D und die Teile mit den Ziffern 1-6 bezeichnet:

A1 A2 A3 A4 A5 A6 1. Teilung derselben Harmonieketten
B1 B2 B3 B4 B5 B6 2. Teilung
C1 C2 C3 C4 C5 C6 3. Teilung
D1 D2 D3 D4 D5 D6 4. Teilung

Diese verschieden langen Teile, die einander auch zuweilen überlappen, werden nun auf folgenden Weise kombiniert und zusammengestellt:

A1 - A6 Exposition B1 - B6 Reprise
D1 - A6 C1 - C6

Daher folgt, daß Durchführung und Reprise nicht aus Motiven oder Themengruppen gebildet sind, sondern aus der Harmoniekette, die sich ja nur durch die unterschiedliche Teilung unterscheidet.

Doch sind das nur die gespaltenen Atomteilchen, aus denen sich jetzt die eigenständigen verschiedenen Charakteristika entwickeln. Dabei werden in Exposition und Reprise die Teilungen in Zweiergruppen zusammengefaßt, wobei synchron vom Klavier einerseits, von Geige und Cello anderseits je 2 Teile gegeneinandergestellt werden, und zwar so:

Vln + Vlc: A1+2 / A3+4 / A5+6: (Reprise analog)
Klavier: D1+2 / D3+4 / D5+6:

Durch die völlig eigenständige Charakteristik wirkte die Reprise eigentlich wie eine Exposition, wenn nicht die Durchführung dazwischengestellt wäre, die die 12 Themenkomplexe (z.B. D1+2) der Exposition und der Reprise frei kombiniert, wobei jedoch auf erneute Ausarbeitung größtenteils verzichtet wird, um die ohnehin schon reiche Struktur nicht noch mehr zu verästeln. Da daher einiges aus der Exposition wiederholt wird, anderes der Reprise vorweggenommen ist, wirkt auch die Durchführung sowohl reprisenhaft als auch als Exposition.
Der Sonatensatz verschwindet in einer tripeldeutigen Struktur, bei der die Entwicklungen innerhalb kleiner Abschnitte vor sich gehen, während der große Zusammenhang sich aus der steten Umstellung der Zusammenhänge ergibt. Die kurze Coda deutet eine neue Entwicklung an, eine Entwicklung, die hier keinen Platz mehr zu Entfaltung bekommt.

Das Werk wurde zwischen November 1982 und Februar 1984 in Genf auf Anregung von Harald Ossberger und dem Concordia-Trio geschrieben. Gewidmet ist das Werk dem Pianisten und Freund Harald Ossberger.

Das Werk dauert ca. 13 bis 14 Minuten.
Uraufführung 1984 in Odessa mit Harald Ossberger, dem Komponisten und Raphael Flieder.