Unter dem Titel „Moderne Rituale“ bewegt sich das Ensemble Wiener Collage in unserem neuen Programm durch das Spannungsfeld europäischer und orientalischer Prägungen, Rituale und zeitgenössischer Musiksprache. Werke von Komponist:innen aus Syrien, Ägypten, dem Libanon und dem Iran stehen neben jenen österreichischer Komponist:innen mit diversen europäischen Bezügen (Finnland, Bulgarien, Polen u.a.), ergänzen einander, überwinden und erweitern ihre jeweiligen Traditionen in vielfacher Hinsicht.
Bei der ersten Aufführung dieses vielschichtigen Programms am 17. Februar 2026 im Arnold Schönberg Center wurde eine meiner zuletzt vollendeten Kompositionen, die meiner Mutter gewidmete Hommage "63" op. 14/16 uraufgeführt. Unter meiner Leitung musizierten Bojidara Kouzmanova-Vladar (Violine), Sarah Dragovic (Viola), Manuel Schager (Violoncello), Wolfgang Zuser (Flöte), Dieter Flury (Flöte), Milica Zakić (Klavier), Stefan Neubauer (Klarinette) und Alfred Melichar (Akkordeon).
Ein besonderer Klavierabend läutete mein musikalisches Jahr 2026 ein, an dem erstmals eine umfassende Introspektive in mein Schaffen aus vier Jahrzehnten dargeboten wurde. Neben bereits bekannten Kompositionen wie etwa den Bagatellen auf den Namen György Ligeti op. 14/3a gelangten zahlreiche Werke zur Uraufführung, darunter vier Impromptus aus meinem umfangreichen und „work in progress“ Klavierzyklus Un journal d’impromptus op. 22q sexies, drei Stücke aus dem Balkan-Mosaik op. 26 I bis c sowie Teile aus den 5mal5 kurze Intermezzi op. 22j.
Das Konzert, das am 13. Jänner im Arnold Schönberg Center anlässlich meines 75. Geburtstages sowie zum Gedenken des 75. Todestages Arnold Schönbergs stattfand, wurde vom Wiener Musikwissenschaftler Dr. Hartmut Krones moderiert und ermöglichte einen Einblick in meine Kompositionen und Arbeitsweise. Drei beeindruckenden Interpret:innen und Spezialist:innen für moderne Klavierliteratur – Milica Zakič, Kaori Nishii und Johannes Piirto – danke ich herzlich für die gelungene Realisation dieser hochkomplexen und herausfordernden Werke.
Auf meinem Youtube-Kanal sind mittlerweile über 40 Videos zu sehen bzw. zu hören, darunter meine im Playbackverfahren eingespielten Duette für Lehrer und Schüler (aus meiner Violinschule op. 26), selbst eingespielte Klaviermusik und vieles mehr, darunter Videos mit deutschen und englischen Erklärungen.
Zu den letzten Zugängen zählt die Streichorchesterfassung meines Balkan Mosaïk op. 26 I bis, in einer Aufnahme des Fritz Kreisler Ensembles Wien, die bereits 2015 in Japan unter meinem Dirigat entstanden ist.
Solostücke für Harfe mit Gabriele Moschyrsch und Akkordeon mit Alfred Melichar können ebenso angehört werden wie meine selbst dirigierte Totenklage für Sopran und 9 Instrumente nach einem Lautgedicht von Hugo Ball.
Überdies hat die renommierte, in Berlin lebende slowakische Cymbalom-Virtuosin Enikő Ginzery unlängst den ersten Teil meines Zyklus Pour le Cimbalom op. 22q après quinquies auf ihrem eigenen Kanal veröffentlicht.
Mein Oratorium Schwarzer Schnee op. 22q, eine Auftragskomposition der Tonhalle Düsseldorf für ihr Menschenrechtskonzert 2022, musste coronabedingt verschoben werden.
Nun wurde es am 3. Mai 2024 – gemeinsam mit einer Aufführung von Robert Schumanns 4. Symphonie – in der Düsseldorfer Tonhalle erfolgreich aus der Taufe gehoben.
Solisten waren Marisol Montalvo (Sopran) und Sylvie Rohrer (Sprecherin), es sang der Chor des Städtischen Musikvereins zu Düsseldorf, die Düsseldorfer Symphoniker wurden geleitet von David Reiland. Enikő Ginzery übernahm den konzertant gehaltenen Cimbalom-Part.
Im Mittelpunkt eines hochinteressanten Konzerts am 26. September 2023 im Arnold Schönberg Center standen meine Fünf Balladen für Klarinette und Klavier op. 22o und die Uraufführung der Studie für Soloklarinette »Lo-Shu« op. 29 I Nr. 2: zwei Werke, die in ihrer Anlage stark kontrastieren und aus grundlegend verschiedenen musikalischen Konzepten hervorgegangen sind.
Folgen die Balladen eher dem romantischen Konzept einer »erzählenden Musik«, wie sie u.a. von Chopin, Schumann oder Mendelssohn entwickelt wurde, so folgt die Klarinettenstudie eher einem modernen architektonisch-mathematischen Prinzip, das aus der Beschäftigung mit dem Lo-shu, dem einzigen magischen Quadrat der Ordnung 3, hervorging. Dabei nutzen beide Werke spezielle, von mir entwickelte Stimmführungstechniken, die sie im Bereich der neuesten Musik verorten. Sie stellen durch ihre Dichte, Größe und Kompaktheit auch einen wichtigen Beitrag zur Klarinettenliteratur dar, obwohl neueste Spieltechniken nur sehr sparsam eingesetzt werden.
Es spielten Stefan Neubauer (Klarinette) und Johannes Piirto (Klavier), zwei Interpreten, die mit meinem Werk sehr vertraut sind und sich um seine Verbreitung bereits große Verdienste erworben haben.
Die Noten der Balladen op. 22o sind in der Edition Contemp Art (Verlagsgruppe Hermann) erschienen und werden von Schott vertrieben (Bestellmöglichkeit).
ES IST SOWEIT!!! ENDLICH!!!
Dank einer Kooperation meines Verlags Edition Contemp Art (Verlagsgruppe Hermann, Wien) mit Schott Music in Mainz sind ab sofort Partituren und Aufführungsmaterial von mehr als 60 meiner Werke und Bearbeitungen international verfügbar und bestellbar, sowohl als E-Noten (PDF) wie auch als gedruckte Hefte.
Links zur Bestellmöglichkeit bei Schott finden sich auch bei den jeweiligen Werkeinträgen auf staar.at (eine Übersicht gibt es hier).
Die Herausgabe weiterer Kompositionen aus vier Jahrzehnten ist in Vorbereitung.
Im Herbst 2022 erhielt ich von den Schweizer Privatmäzenen Adelheid Schneider-Gilg und Felix Schneider den Auftrag, ein größeres Kammermusikwerk zu komponieren. Das Werk mit dem Arbeitstitel „Divertissement Suisse No. 6“ soll für die Besetzung Streichsextett, Klarinette, Baritonsaxophon und Alphorn (oder Horn) bis Mitte 2023 entstehen.
Der Auftrag soll den Zyklus der »Divertissements Suisses« op. 10 vervollständigen, der insgesamt sechs Kammermusikwerke in verschiedenen Besetzungen umfassen wird.
Das Ensemble Wiener Collage und ich teilen viele künstlerische wie persönliche Erinnerungen an die Komponisten Toshi Ichiyanagi, der am 7. Oktober 2022 89-jährig in Tokyo verstarb, und Friedrich Cerha, der am 14. Februar 2023 96-jährig in Wien von uns ging. Beide Komponisten schrieben Stücke für das Ensemble, mit beiden pflegte ich auch persönlich eine intensive Zusammenarbeit.
Friedrich Cerha hatte maßgeblichen Anteil an meinen frühesten Erfahrungen mit Neuer Musik, insbesondere als Dozent eines Praktikums Neuer Musik and der damaligen Wiener Musikhochschule. 1996 dirigierte er dann die Uraufführung und zwei Folgeaufführungen seines Concertinos für Violine, Akkordeon und Ensemble in Wien, Linz und Paris, bei der Alfred Melichar (Akkordeon) und ich die Soloparts übernahmen. Später habe ich dieses Werk mit wechselnden Solisten selbst dirigiert. Außerdem hatte ich Gelegenheit, die Werke Deux éclats en reflexion und Formation et solution mit dem Meister selbst einstudieren, Cerha wiederum dirigierte Aufführungen meines Werks Das wachsende Schloss op. 13/1. Mein Stück Jam Session »for Fritz« op. 14/6 entstand als eine Hommage an ihn.
Auch zu Toshi Ichiyanagi gab es vielfältige künstlerische Verbindungen, die durch zwei Konzertreisen des Ensemble Wiener Collage nach Japan und drei Wiener Gastspiele des Tokyo International Music Ensemble (TIME), dessen Leitung Ichiyanagi oblag, ihre Umrahmung fanden. Mehrere Werke Ichiyanagis, der in den Vereinigten Staaten bei John Cage studierte und in erster Ehe mit Yoko Ono verheiratet war, wurden vom Ensemble Wiener Collage uraufgeführt. 1996 fand bei Wien Modern die Uraufführung meines Werks Kodai-no-ibuki (aus op. 30) mit dem TIME statt, einem Werk für Violine und traditionelle japanische Instrumente.
Im abgelaufenen Jahr wurde der Zyklus der Studies for Strings op. 27 durch zwei Stücke ergänzt: die Studie für Viola und 2 Celli »Pendel des Lebens« op. 27 III B Nr. 2 und die Studie für Violine, Viola und Cello »Atemlose Beklemmung« op. 27 III C Nr. 1.
Auch zwei der Abgüsse des Monumentum pro Thomas Alva Edison op. 34 wurden durch je zwei Sätze vervollständigt: den 2. Abguss für Violine, B-Klarinette, Tenorsaxophon und Klavier (1998–2021) und den 3. Abguss für Streichtrio (1998–2021).
Für Adam Fischers im März 2022 stattfindendes Menschenrechtskonzert in der Tonhalle Düsseldorf entstand das Auftragswerk Schwarzer Schnee op. 22q für Sopran, Sprecherin, Cimbalom, großen Chor und Orchester.
Auch dem Hommagen-Zyklus Op. 14 wurde eine weitere »Hommage« angefügt: Brief Definition – a memorial for Eugene Hartzell op. 14/14 für Klarinette und Klavier.
Darüber hinaus entstanden zwei weitere Werke für den Zyklus Op. 22q: die Evoluzioni op. 22q septies, ein 25-minütiges Quintett, und die Condizioni op. 22q octies, sechs Stücke für Celesta, Percussion, Harfe und Cimbalom.