In seiner 1982 bei Rowohlt erschienenen Monographie über Thomas Alva Edison (1847–1931) bezeichnet Fritz Vögele den großen amerikanischen Wissenschaftler als Symbol für Erfindungsgeist und technischen Fortschritt.

Als ich eingeladen wurde, eine kurze Komposition für das 25-Jahr-Jubiläum des Instituts für Österreichische Musikdokumentation (IÖM) zu schreiben, entwickelte ich gemeinsam mit Gottfried Hinker gerade ein Computerprogramm, um die mühevolle Arbeit des Vergleichens von Akkorden abzukürzen. Gleichzeitig dachte ich über eine Formstruktur nach, die nüchterne, rein technisch funktionale Prozesse ermöglichen könnte. Auf diesem Weg entstand ein modulartiges Gebilde mit vierstimmigen Akkorden, das fähig sein sollte zu großer Variabilität.

Die Idee war, dass in drei mal drei kurzen Abschnitten, quasi ohne Anfang und ohne Ende, in kurzen Sätzchen eine Art maschinelle Musik entstehen sollte. Den Gedanken in zwei Dimensionen weiter erweiternd, galt es einerseits, die Abschnitte in chromatischer Reihenfolge auf einen immer neuen Grundton zu stellen (was ich in Bildhauersprache als Abgüsse bezeichnet habe), andererseits die Module selbst weiter zu entwickeln. Auch bestand der Wunsch, einem zweiten Sätzchen nicht nur eine andere Anzahl von Abschnitten, sondern auch eine andere Zahl von Akkorden zugrunde zu legen und in einem dritten dasselbe Variationsprinzip zu wiederholen, wobei Primzahlen eine ganz spezielle Bedeutung zukommen sollte.

Ich sehe dieses Werk als meine persönliche Hommage an den technischen Fortschritt und für die symbolische Figur T. A. Edisons.

1998 entstanden die drei ersten Abgüsse des ersten Modul-Sätzchens, erst im Jahr 2017 dann ein vierter Abguss. Eine komplexe Temporelationsrhythmik tat ihr übriges, um die klare, nüchterne Gestalt hörbar zu machen. Die erste Komposition aller drei Modulsätzchen war dann der 2018 geschriebene 5. Abguss für Mezzosopran (Vokalist), Klarinette, 2 Violinen, Cello, Akkordeon und Klavier. In diesem Abguss manifestierte sich auch das Bestreben, dem – aufgrund der komplexen Rhythmik – technisch fremdartig anmutenden harmonischen Gebilde freundlichere, menschenwürdige Strukturen abzugewinnen. Es wurde für das Ensemble Wiener Collage für eine Konzertreise nach Israel geschrieben.

2018 entstanden die beiden bisher fehlenden Sätze für den 1. Abguss.


Hier eine Zusammenstellung aller bisher komponierten Teile:


Dreisätzige Werke:

1. Abguss für Violine, Gitarre und Kontrabass (1998-2018)

»zum 25-jährigen Jubiläum des Instituts für Österreichische Musikdokumentation in Wien«

Uraufführung des 1. Models: 1998 Wien (Hoboken-Saal) durch Leo Witoszynski, Michael Seifried und René Staar
Aufführungsdauer: 3'30''

Dreisätzige Fassung (2018)
Aufführungsdauer:
7 Minuten


5. Abguss für Mezzosopran (Vokalise), Klarinette in B, 2 Violinen, Viola, Cello, Akkordeon und Klavier (2018)

Aufführungsdauer: 6'10''


Nur der 1. Satz realisiert in:
 

2. Abguss für Violine, B-Klarinette, Tenorsaxophon und Klavier (1998)

Uraufführung: 1998 Wien (Karajan-Centrum) durch Stefan Neubauer, Peter Rohrsdorfer, Johannes Marian und René Staar
Aufführungsdauer: 1 Minute


3. Abguss für Streichtrio (1998)

Uraufführung: 27. November 1998 Lissabon, Festival der Neuen Musik, durch Tobias Lea, Philipp von Steinaecker und René Staar
Aufführungsdauer: 3'10''


4. Abguss für Harfe, Cembalo und Gitarre (2017)

»zum 30-Jahr-Jubiläum des Ensemble Wiener Collage«

Uraufführung: am 24. April 2018 im Arnold Schönberg Center Wien, durch das Ensemble Wiener Collage unter René Staar
Aufführungsdauer: 1'45''