Interpretationen eines Textes von Hugo Ball aus der Zeit des ersten Weltkriegs

geschrieben für das 30-Jahr-Jubiläum des Ensemble Wiener Collage

Besetzung: hoher Sopran, Altflöte, Klavier, Celesta, Cembalo, Gitarre, Harfe, Akkordeon, Cimbalom, Schlagzeug, Kontrabass (Alternativbesetzung ohne Cimbalom)

Uraufführung: am 24. April 2018 im Arnold Schönberg Center Wien

Dauer: etwa 8 Minuten

 

Als Hugo Ball inmitten der Zeit des ersten Weltkriegs im Zürcher Cabaret Voltaire in einem absurden bischofsähnlichen Kostüm aus seinen sechs Lautgedichten rezitierte, war das die Geburtsstunde der Dada-Bewegung.

Eines dieser Lautgedichte reflektiert den Krieg in einer seltsam gespiegelten Weise. Ich habe es zur Grundlage meiner Komposition gemacht und es dafür in drei Abschnitte geteilt. Der erste Teil wird geflüstert (mit Steigerungen zur Sprechstimme), dann werden der erste und der zweite in Sprechgesang vorgetragen, und schließlich wird das ganze Gedicht gesungen – deshalb auch der Untertitel „Interpretationen“.

Im Charakter eines Trauermarsches wird das Stück dabei dramaturgisch aus der Sphäre schweren Atmens, des geflüsterten Lautgedichts, über einen verzweifelten Sprechgesang und einen „weinenden“ Gesang zurück zum Atmen geführt. Im zweiten Teil wird der Text in die Vokale der Sopranistin und die von Flötist, Akkordeonist, Schlagzeuger und Celestaspieler ausgeführten Konsonanten geteilt: Dadurch erhält der Text zusätzlich einen surrealen „touch“. Musikalisch entwickelt sich das Stück in einer (sich variiert wiederholenden) Interpolation zwischen zwei Akkorden hin zu einer insgesamt fünfstimmigen Harmonik.

Neben der surrealen Ausformung des dadaistischen Lautgedichts verleiht die ausgefallene Besetzung der Komposition zusätzlich eine absurde Schräge. Die Kombinationen von Flöte und Kontrabass, Akkordeon und Schlagzeug (mit seinen Hauptfarben Becken gestrichen, Vibraphon und große Trommel), Celesta und Klavier, Gitarre und Harfe, Cembalo und Cimbalom ermöglichen extravagante Orchesterfarben. Aus praktischen Erwägungen heraus ist die Möglichkeit vorgesehen, die Komposition auch ohne Cimbalom auszuführen.