zwei aufeinander bezogene Zyklen ultrakurzer Miniaturen

 

A            für Violine und Klavier linke Hand

B            für Klavier dreihändig (Klavier zu zwei Händen und Klavier linke Hand am selben Instrument)

 

Beide Zyklen breiten eine Fülle plakativ dargestellter singulärer Ideen aus, zugleich sind sie ein Experimentierfeld, um – gleichsam als »Trockenübung« – Werkanfänge zu simulieren. (Ich habe mich in einem Essay mit dem Beginn, dem ersten Gedankens eines Stücks, also dem Anfang einer Komposition beschäftigt.)

Die »Pensées« verdanken sich einer Anregung des finnisch-japanischen Pianisten Izumi Tateno, der sich von mir – für seine Bibliothek des Repertoires der linken Hand – ein Werk für Violine und Klavier linke Hand wünschte. In diesem Zusammenhang erinnerte ich mich an mein Ständchen und Sitzchen für Ernst Krenek op. 14/1, das ich selbst auf Geige und Klavier gespielt habe, und konzipierte zwei Reihen von je 24 kurzen Stücken, die beide auf ein und dasselbe harmonische Material zurückgreifen, ähnlich wie dies in den Doubles zu Tanzsätzen in Johann Sebastian Bachs Partiten geschieht.

Bei diesen ultrakurzen Stücken reicht die Palette der Ausdrucksvarianten vom lyrischen Andante bis zu mechanisch-rhythmischen Ideen, von tänzerischen, ja jazzähnlichen Gedankensplittern oder suchenden, schwebenden Takten bis zu tieftraurigen, formal aufgeweichten Charakteren, wobei jedoch jede Miniatur nur für einen Charakter steht. Trotz der Kürze gibt es vereinzelt eine Entwicklung, ja Wandlung des einzelnen Charakters (besonders eindrücklich in V A, die eine Wandlung vom Suchenden ins Sichere vollbringt). Zumeist ist die Entwicklung aber auf rhythmische Konzentration oder dynamische Kontraste beschränkt. Die Rhythmik ist dabei ganz in die Prozesshaftigkeit der Stücke eingebunden, ja wird zuweilen zur formgebenden Komponente.

Die A-Reihe enthält Stücke für Violine und Klavier linke Hand, die B-Reihe Stücke für Klavier „zu drei Händen“, also für einen Pianisten (zwei Hände) und einen Pianisten linke Hand. Sie ist als Double der A-Reihe angelegt. Die Forderung nach möglichst großen Kontrasten gibt dabei die Gangart vor. Die Aufführungsmöglichkeiten reichen theoretisch von der Aufführung einer einzelnen Miniatur bis zur Gesamtaufführung sämtlicher Miniaturen. Eine solitäre Aufführung der kürzesten Miniatur mit der Dauer von ca. drei Sekunden (Nr. XVIIB) würde allerdings eine ziemlich absurde Aktion.

Bei Teilaufführungen regt der Komponist zwei Möglichkeiten an: entweder die Einteilung des Zyklus in vier Viertel, also von A und B entweder die Nr. I–VI, VII–XII, XIII–XVIII oder XIX–XXIV (Aufführungsdauer jeweils zwischen 4 und 5 Minuten), oder man spielt entweder den A-Zyklus oder den B-Zyklus, was jeweils eine Spieldauer von 8 bis 10 Minuten ergibt.

Ideal wäre natürlich die verwobene Aufführung aller 48 Stücke beider Zyklen, mit einer reinen Spielzeit von knapp 20 Minuten. Da die Dramaturgie jedoch Pausen zwischen den Stücken erfordert, wird die Aufführungszeit zwischen 25 und 30 Minuten betragen. Die Gestaltung der Pausen zwischen den Stücken und Teilen, die zur wichtigsten Komponente einer schlüssigen Interpretation werden könnte, ist den Interpreten überlassen. Charakter und Tempo der einzelnen Stücke werden ihre Entscheidungen mitbestimmen.

 

A-ZYKLUS 

    B-ZYKLUS      Gesamt
A I Vivace  13''      B I  Vivace misterioso  7''    20'' 
A II Tempo di Blues  20''   B II Elegiaco, ma assai ritmico 34''   54'' 
A III Vivace mecanico 26''   B III  Pensieroso  20''   46''
A IV Vivace agitato  10''   B IV  Allegretto  22''   32''
A V  Cercando  14''    B V  Molto vivace e agitato  7''    21'' 
A VI Andante con moto 25''   B VI  Sospeso  44''   1'09'' 
    1'48''       2'14''   4'02''
A VII  Prestissimo  9''   B VII  Quasi Blues 18''    27''
A VIII  Vivace giocoso  13''    B VIII Agitato molto 9''   22''
A IX Vivace agitato 45''   B IX Affettato  9''   54''
A X Allegretto 24''   B X  Grave  18''   42''
A XI Presto 6''   B XI  Vivacissimo agitato 12''   18''
A XII Largo 1'35''   B XII  Presto  10''   1'45''
    3'12''       1'16''   4'38''

 

A XIII Presto Vivacissimo 8''      B XIII   Vivace agitato 17''    25'' 
A XIV Andantino 28''   B XIV Adagio  1'26''   1'54'' 
A XV Con brio 24''   B XV  Alegretto comodo  25''   49''
A XVI Moderato 27''   B XVI Animato  13''   40''
A XVII  Mesto 37''    B XVII Prestissimo allegrissimo 4''    40'' 
A XVIII Adagio fuesto e irremovibile 33''   B XVIII Vivacissimo giocoso 9''   42'' 
    2'37''       2'33'   4'10''
A XIX Allegro bizarro 15''   B XIX  Andantino movendo 16''    31''
A XX  Andante mosso 39''    B XX Presto mecanico 31''   22''
A XXI Largo estatico e ardente 52''   B XXI Agitato drammatico 14''   1'06''
A XXII Maestoso e imposante 22''   B XXII  Curioso, misterioso   7''   29''
A XXIII Spaventoso 11''   B XXIII  Quasi Siciliano  14''   25''
A XXIV Quofou lent (dolcissimo) 20''   B XXIV  Largo generoso  1'56''   2'16''
    2'39''       3'18''   5'57''
                 
  A I-XXIV 10'16''     B I-XXIV 9'13''   19'29''