Besetzung: für großes Orchester
Aufführungsdauer: ca. 20 Minuten

 

Dieses Werk entstand 1992/93 kurz nach dem Verlust meines Vaters, in einer Art Schaffensrausch, in dem auch andere Werke bzw. Werkfragmente entstanden sind. Dem plötzlichen Rückzug von der Welt ins nur noch Komponieren-Wollen trotz des zeitaufwendigen Brotjobs als Orchestermusiker entspricht auch die ganze Haltung der Metropolitan Midnight Music. Diese war auch ein leiser, unhörbarer Protest gegen Musikestablishment und Musikbetrieb, in seiner Entstehungsgeschichte allerdings etwas paradox, da (während einer Reise der Wiener Philharmoniker) durch die gespenstische Atmosphäre des Wintereinbruchs in der Postmodernität der kanadischen Stadt Toronto inspiriert.

Die Erkenntnis der Einsamkeit in einem scheinbar erfüllten, aber eher belasteten Leben, die Erlebnisse der erzwungenen Isolation, einer sinnentleerten Gesellschaft, des Verlusts der wichtigsten Person im Leben eines Menschen, des Verlusts der Sinnhaftigkeit des eigenen Tuns inmitten eines modernen Ballungszentrums prägten den Entstehungsprozess des viersätzigen Orchesterwerks, dessen musikalische Struktur durch das Geflecht der Beziehungen von fünf im Raum verteilten Orchestergruppen (einem Kammerorchester, einer Blechbläserband, einem Holzbläseroktett, einer Schlagzeuggruppe und einem Streichorchester) gestaltet wird.

Der zweite Satz ist mit »Yearning for Silence« (frei übersetzt mit: Sehnsucht nach Stille) betitelt, der dritte heißt »Shadows at Night« (Schatten der Nacht) und charakterisiert verschiedene Eindrücke einer modernen Großstadt. Zunächst als »Toronto Midnight Music«, später als »Tokyo Midnight Music« betitelt, wurde schließlich der Titel »Metropolitan Midnight Music« gewählt, da das Stück jedes x-beliebige mitternächtlich verlassene Einkaufszentrum jeder x-beliebigen modernen Stadt widerspiegeln könnte. Die absurden Echos (der erste Satz heißt auch »Echoes«) einer künstlichen Großstadt (auch der vielen Satellitenstädte, die sich um ältere Großstädte gebildet haben), die man erst hört, wenn sie nächtens ausgestorben sind: dann hört man das Plastik der Gänge und Foyers, in denen sich niemand oder nur wenige befinden.

Dann hallen die eigenen Schritte in verzerrten Echos in den Ohren, die Schatten der Nacht scheinen sich zu bewegen (sogar ziemlich rasch zumindest für das Gehirn, dieses sich in der Ereignislosigkeit der Nacht verlangsamende Organ) und viele, die diesen Zustand nicht ertragen, versuchen, das »Midnight Fever« (so der Titel des vierten Satzes) in Tanzbars, Kneipen und Spielhöllen loszuwerden. Dieser Satz spielt mit der Impression einer sich öffnenden und schließenden Tür einer lauten Disco in einer winterlichen Großstadt, die sich in einen dämpfenden Schneemantel gehüllt hat.

So spiegelt dieses Werk insgesamt neben dem Gefühl des persönlichen Verlusts auch die leise Vorahnung jenes gewalttätigen Aufbegehrens wieder, das von Zeit zu Zeit die großen Städte heimsucht, und das von der Isolation, der Einsamkeit, der Chancenlosigkeit, der Hoffnungslosigkeit befreien soll. Los Angeles – London – Paris: aufputschende und aufhetzende Tendenzen haben es leicht, weil die Politik das Feld nur mehr einer eindämmenden Polizeigewalt überlässt, aber keine visionären Konzepte zur Behebung der wirklichen Probleme entwickelt.