(Einst in kalter Wintersnacht)
 
Besetzung: Sopran, Sprecher, Saxophon, Streichquartett, Akkordeon und Klavier
Uraufführung: 15. Dezember 2016, im Arnold Schönberg Center
Dauer: 5'30''
 
 
Alle zwei Jahre gestaltet das Ensemble Wiener Collage im Arnold Schönberg Center Wien ein Weihnachtskonzert. Im Jahr 2016 widmete es sich den vor- und nachweihnachtlichen Feiern osteuropäischer Christen, und so stand ich vor der Aufgabe, hierfür ein geeignetes Stück für Sopran, Sprecher und sieben Instrumente zu komponieren. Einem Vorschlag Natalia Kamaevas folgend, wählte ich dafür einen Text des Puschkin-Zeitgenossen Wassili Andrejewitsch Schukowski (1783-1852). In diesem Gedicht bezieht er sich auf nachweihnachtliche Bräuche junger Mädchen, die aus verschiedenen Zeichen ihre Zukunft deuten wollen: es mischt sich hier also – wie so oft bei kirchlichen Festen – christliches Erbe mit heidnisch-abergläubischem Kult. In dem kurzen Stück, das vor allem im Mai und Juni 2016 entstanden ist, habe ich versucht, eine ganz eigene Tonsprache zu finden, in der die Tradition des russisch-orthodoxen Kirchengesangs genauso spürbar wird, wie die Erkenntnisse der Moderne in der Perspektive unserer Kompositionserfahrungen im 20. und 21. Jahrhundert. Dabei spielte auch der märchenhafte Charakter des Gedichts eine entscheidende Rolle, was sich etwa in der (anstelle einer Tempobezeichnung gewählten) Überschrift zaubrisch duftend niederschlägt.
Der Sprecher wählt eine der vier Sprachfassungen aus. Die Übersetzungen stammen von Erich Klein (deutsch), Michael Pushkin (englisch) und Manuel Chemineau (französisch).