Besetzung: für drei Klarinetten (eine B- und zwei A-Klarinetten)
Uraufführung: durch die Kammermusikvereinigung des ORF im Jahr 1979
Aufführungsdauer: ca. 15 Minuten

 

Die im Dezember 1976 und Januar 1977 geschriebene Sonatine für 3 Klarinetten op. 2 stellt gegenüber früheren Kompositionen einen großen Fortschritt dar. Zunächst manifestiert sich ein vermehrtes Interesse an intervallischen Strukturen. Dies sieht man bereits am Motto des 1. Satzes, einer aufwärts strebenden Figur, die aus einer großen und einer kleinen Sekunde besteht. Ein Motto an den Anfang eines Stücks zu stellen, wird dabei so etwas wie ein Markenzeichen des Komponisten. Zudem zeigt die Verzahnung dreier solcher Figuren auf, dass die Kontrapunktik, Imitation, das kanonische Element eine immer wichtigere Rolle in seinen Stücken einnehmen.

Trotz alledem ist dieses dreisätzige Stück in seiner Anlage und Struktur noch sehr der klassischen Sonatenform verhaftet. Der innere Zusammenhang wird durch Abwandlung und Entwicklung der im ersten Motto dargestellten dreitönigen Struktur hergestellt. Im 2. Satz – einer abgewandelten Liedform – spielen Abspaltungsprozesse, die eines der Intervalle der dreitönigen Figur des Mottos verarbeiten, eine große Rolle. Im dritten rondoartigen Satz wird die Ursprungsfigur in einer Art aufwärts- und wieder abwärtsstrebender Schleife Verwandlungen unterworfen. So ist insgesamt zu bemerken, dass in diesem Werk jener Strukturierungsprozess ansetzt, der zu einem der wichtigsten Merkmale für das spätere Werk des Komponisten werden wird.

Auch aus einem anderen Grund wurde dieses Werk für den Komponisten bedeutsam: es war sozusagen seine Eintrittskarte in das postgraduelle Studium bei Roman Haubenstock-Ramati, das prägend für die Weiterentwicklung des eigenen Stils werden sollte und zunächst zu einer vorsichtigen Neuorientierung und letztlich (zumindest ab den 1989 begonnenen Bagatellen auf den Namen György Ligeti op. 14/3) zu einem radikalen stilistischen Wandel führte. (René Staar, Januar 2016)