Konzertsatz für Soloposaune und Blasorchester

Besetzung: Posaune Solo; 3 Flöten – 3 Oboen (auch EH) – 4 Klarinetten in B – Saxophon I (Sopran alt. mit Alt) – Saxophon II (Tenor alt. mit Bariton) – 3 Fagotte – 4 Hörner – 3 Trompeten – 4 Posaunen (4. auch Kontrabassposaune und Baßposaune)
Uraufführung: 
Aufführungsdauer: 7’30’’

 

Die Komposition dieses Satzes wird geprägt von einer Kette aufeinanderfolgender Akkorde, die durch verschiedene Wiederholungs- und Modulationsverfahren beständig ineinander verzahnt und verändert werden. Chromatische und ganztönige Modulationen finden genauso wie Modulationen zu Quarten- oder Quintentranspositionen Verwendung, wobei diese nicht nur vorwärtstreibende Kraft entfalten, sondern auch als Mittel der Rückführung eingesetzt werden.

Dabei kann jeder Punkt der Akkordkette wieder zu einem neuen Ausgangspunkt werden, was natürlich die Struktur der Akkordkette stets verändert. Die vorwärtstreibenden und beharrenden Kräfte suchen dabei stets nach Ausgleich, und ich finde dafür den Vergleich mit den Bewegungen einer Raupe sehr anschaulich, um die Grundkonzeption des Stücks zu beschreiben. Das Zusammenziehen des Körpers und Weiterschieben einzelner Teile
dieses Körpers ist auch bei einer Raupe nicht vollkommen gleichförmig, gehorcht aber allgemeinen physikalischen Gesetzen. Die melodischen Linien der Posaune werden dabei gleichsam aus diesen harmonischen Raupenbewegungen herausgeschält und sublimiert.

Dieses Konzept würde das Stück in die Nähe einer allerdings äußerst verfremdeten Variationsform rücken, gäbe es da nicht auch deutliche Brüche in der Ausführung, die sich klar aus der sequenzierenden Behandlung des hauptsatzartigen Satzanfangs ersehen lassen und das scheinbar immer neue Ansetzen einer Coda, was eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Rondo hat. Ich ziehe aber den Vergleich mit der Bewegung einer Raupe vor, die der Gestaltung dieses Satzes besser als traditionelle Formen gerecht werden kann.
Eine weitere gewichtige Komponente kommt hinzu: die Intensivierung des Posaunenklangs. Diese tritt insbesondere knapp vor Ende des Satzes in Erscheinung, bei der Ergänzung der glissandi der Soloposaune durch die vier anderen Posaunen in einen kontrapunktisch dominierten Glissandorausch eines Posaunenquintetts mündet. Mit anderen Worten: das Stück posaunisiert sich zusehends ...

Dieses Stück ist Teil des großangelegten Posaunenkonzerts op. 22k, in dessen Mittelteil fünf Sätze durchkomponiert sind: No time for Melancholy – Interlude 1 – ... in lichten Fernen … ein traumhaft Glänzen – Interlude 2 – Rituale.

Das Konzert ist so konzipiert, dass drei dieser Sätze einzeln ausführbar sind. Als Einzelwerke weichen sie dann allerdings (vor allem durch andere Schlüsse) von diesen Sätzen geringfügig ab.