»Dédiée à tous les grandes violonistes que j’admire«

Besetzung: für Violine und Klavier
Uraufführung: im Februar 1981 in Wien (Mozartsaal) durch René Staar
Polnische Erstaufführung: Juni 1981 in Warschau
Aufführungsdauer: ca. 6 Minuten

Hörprobe:

René Staar - Hommage à un temps perdu op. 6


René Staar, Violine
Harald Ossberger, Klavier
(aufgenommen am 12. Jänner 1985 im ORF-Funkhaus in Wien)

 

In Staars Werk spielen Parodien oft eine befreiende Rolle, sozusagen als Lockerungsübungen zwischen der Anstrengung, im »Bergwerk« beständig nach neuen, edlen Metallen und Ideen zu suchen, die lange Zeit für ihre Bearbeitung und Entwicklung brauchen. Die Verfremdung und parodistische Überzeichnung bekannter Melodien, Genres oder Stile wird in der Hommage à un temps perdu op. 6 (1980/81) eher subtil eingesetzt. Die drei Teile (Air, Perpetuum mobile und Rezitativo) dieser Hommage an die große Geigertradition des 19. und 20. Jahrhunderts geben sich charakterlich unverändert, doch in ihrer grotesken Diminution wirkt dieses Potpourri parodistisch, ebenso die etwas gekünstelte Art der Artikulation und Phrasierung. Staar: »Zurückdenkend erscheint mir dieses Stück heute [2014] wie eine ferne Erinnerung an die jugendliche Naivität erträumter Ideale, die durch eine sehr feine Ironie gefiltert erscheint.«
Aus drei verschiedenen Intervallen, die in der »Cadence« vorgestellt und dann mit Hilfe des Klaviers kombiniert werden, entwickeln sich unter Zuhilfenahme älterer Gesangs- und Tanzformen wie Air, Habanera, Valse und Zapateado unter deren Oberfläche neuartige harmonische Verbindungen. Das »Petit perpetuum mobile« schließt ein Werk virtuos ab, das in seiner Gesamtheit an die große geigerische Virtuosentradition erinnern soll, die in Europa durch Ereignisse der Weltkriege nur mehr als romantische Erinnerung erscheint – ist das eine »verlorene Zeit«? Eine Zeit, zu der wir keine Beziehung mehr haben?