Diese Sammlung von kurzen Stücken für Streicher wurde gleichermaßen für gehobene Unterrichtszwecke wie für den Konzertgebrauch mit seltenen Besetzungen konzipiert.

Die Sammlung hat die Opuszahl 27. Die darauf folgenden römischen Ziffern bezeichnen die Anzahl der Spieler (I = Solo, II = Duo, III = Trio, usw.), die Großbuchstaben die gleichen oder ungleichen Instrumente (A = gleiche Instrumente, B = ein anderes Instrument, C = zwei andere Instrumente, etc.), die arabischen Ziffern die Nummer des jeweiligen Stücks.

 

Studie für Viola solo »Harmonische Varianten« op. 27 I 1 (2018)

»Für Petra Ackermann«

entstanden am 3. September 2018 in Meggen bei Luzern
Besetzung
: für Solobratsche
Aufführungsdauer: 3 Minuten

Die Studie trägt den bezeichnenden Namen »Harmonische Varianten«, der darauf Bezug nimmt, dass eine bestimmte harmonische Entwicklung in drei verschiedenen Varianten dargestellt wird. Ein dreiteiliges chromatisches auftaktiges Motto wird zum Ausgangspunkt dieser unterschiedlich gestalteten Varianten, in deren Verlauf auch Tritonus und verminderte Septakkorde vermehrte Bedeutung gewinnen.

 

Studie für 2 Violinen: »Duell zwischen zwei Violinen« op. 27 II A1 (1995)

»Heinz Hanke und seiner Frau Jutta als kleine Gabe zum Hochzeitstag«

szenische Realisation nach Anweisung des Komponisten möglich

entstanden in Wien und New York, fertiggestellt am 4. März 1995
Besetzung
: für 2 Violinen
Aufführungsdauer: ca. 2 Minuten 30

Das  auch szenisch ausführbare »Duell« zwischen zwei Violinen beginnt mit einem Streit, der durch mehrere ineinander verwobene mikropolyphone Ansätze musikalische dargestellt wird. Danach beziehen wie im Pistolenduell Eugene Onegins die beiden Spieler Stellung, schreiten auf ihre Position, drehen sich um und schießen … der eine mit einem trockenen Schuss (ein Bartók-pizzicato) der andere mit einem Staccatolauf, der ein Maschinengewehr symbolisiert. Beide sind getroffen, spielen eine Abschiedsmusik - und verscheiden …



Studie für 2 Bratschen: »Ostinate Figuren« op. 27 II A2 (2015)

entstanden in Wien am 16. Juli 2015
Besetzung
: für 2 Bratschen
Aufführungsdauer: ca. 1 Minute 30

Gegeneinander verschobene Figuren und Akzente in irrwitzig rasch gespielten 32-telfiguren dominieren weite Strecken des Stücks, das später in Doppelgriffketten aus großen Terzen und großen Sekunden das Ende des Stücks einleitet. Irreale harmonische Effekte sind das Resultat dieses Arbeit.

 

Studie für Violoncello und Kontrabass: »Studie in verschiedenen Bewegungsmustern« op. 27 II B1 (1994)

entstanden in Wien am 24. Mai 1994
Besetzung: für Violoncello und Kontrabass
Uraufführung: 1996, Wien durch Philipp von Steinaecker und Michael Seifried
Aufführungsdauer: ca. 3 Minuten

Die Verschiedenheit der Bewegungen wird hier in einer Art Studie über Bachs Inventionen angelegt. Es gibt aber auch Teile, die quasi in zwei verschiedenen Tempi ablaufen.

 

Studie für 2 Violinen und Viola: »... und mein Schatten ringt mit deinem Schrei ...« op. 27 III B1 (2017)

Besetzung: für 2 Violinen und Viola
Uraufführung: am 4. April 2018 durch das Koll Trio, im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins
Aufführungsdauer: ca. 4 Minuten 45

Der Werktitel ist dem Gedicht »Finsternis« von Paul Celan entnommen, das 1941 entstand. Das Gedicht spricht von schmerzhaftem Verlust in Zeiten der Gewalt und gipfelt in der Zeile, die als Titel dieses Stücks gewählt wurde. Diese Gedichtzeile ist vieldeutig. Ein Schrei impliziert die Reaktion auf eine Gewalttat und evoziert Assoziationen wie Schmerzensschrei, Entsetzensschrei, Todesschrei. Der Schatten wiederum hat etwas mit Vergangenheit und Vergänglichkeit zu tun. Wenn der Dichter also sagt: »mein Schatten« und »dein Schrei«, so bedeutet das, dass es eine nahestehende Person gegeben haben muss, der offenbar Gewalt angetan wurde. Es spart allerdings aus, ob diese Person noch existiert oder nicht. Das »Ringen« wiederum steht dafür, dass die seelische Bewältigung dieses Ereignisses andauert.
Wir haben es also mit einer sehr persönlichen und schmerzvollen, wahrscheinlich oft wiederkehrenden Erinnerung an ein traumatisches Erlebnis zu tun. Das „und“ wurde dem Titel bewusst angefügt, um die Vieldeutigkeit der Zeile noch zu betonen: eine Vieldeutigkeit, die Raum lässt für eine wortlose Musik der schmerzvollen Empfindung.