12 Nummern für Akkordeon solo

»Für Alfred Melichar«

Besetzung: für Akkordeon solo
Uraufführung:
Aufführungsdauer des gesamten Zyklus: ca. 31 Minuten

 

Ich habe mir angewöhnt, als Vorbereitung auf ein groß besetztes Werk entweder ein Solo- oder ein kleinbesetztes Kammermusikwerk zu schreiben, um mich gewissermaßen mit »Fingerübungen« mit dem harmonischen Umfeld vertraut zu machen, das ich für das neue Werk abgesteckt habe.

So waren die 5mal5 kurzen Intermezzi op. 22j für Klavier mein Trainingsfeld für mein Orchesterwerk Time Recycling op. 22n. Für ein noch zu schreibendes Werk für Chor, Orchester und Solisten (op. 22q) sollte es diesmal ein größeres Werk für Akkordeon solo werden.

Bei der Beschäftigung mit Lyrik und Literatur der Moderne begann ich, eine kleine Liste mir besonders eindrücklicher Gedichtzeilen zu erstellen – nicht vollständiger Gedichte, sondern nur kürzere Passagen bzw. Fragmente daraus. Daraus ergab sich eine zwölfteilige Improvisation über vollkommen divergierende Gedichte. Der Titel eines Gedichts des flämischen Modernisten Paul van Ostaijen kristallisierte sich schließlich als Titel des Zyklus heraus: »Metaphysischer Jazz«; diesen verwende ich auch als Titel des 3. Stücks des Zyklus.

Die musikalische Substanz des gesamten Zyklus besteht aus Fünfklängen, die aus großer Sekunde, Quart, Tritonus und großer Sext als Intervallvorrat gebildet werden. Nicht nur Melodik und rhythmische Gestaltung, sondern auch Harmonik und Verlauf der einzelnen Stücke wurden substanziell vom Inhalt der gewählten Gedichtzeilen geprägt.

 

No. 1 Präludium » ... aber das Wehende höre, die ununterbrochene Nachricht, die aus Stille sich bildet« (aus der ersten Duineser Elegie von Rainer Maria Rilke)

abgeschlossen am 22. Jänner 2019 in Wien
Aufführungsdauer: 2'50''


No. 2 »Metaphysischer Jazz« (Titel eines Gedichts von Paul van Ostaijen)

abgeschlossen am 27. Jänner 2019 in Wien
Aufführungsdauer: 2'


No. 3 » ... ungleich die Hälften, die nicht sind ... « (aus einem Gedicht des Komponisten aus dem Jahr 1996)

abgeschlossen am 5. April 2019 in Wien
Aufführungsdauer: 1'40''


No. 4 » ... von dieser Sterneinsamkeit zu jener Sterneinsamkeit ... « (aus einem Gedicht von Giuseppe Ungaretti, übersetzt von Paul Celan aus dem Merkbuch des Alten / Letzte Chöre für das verheißene Land Nr. 16) Erste Lesung

abgeschlossen am 1. November 2019 in Wien
Aufführungsdauer: 4'42''


No. 5 »Dann wirst Du fragen, wo der Flieder ist und wo – mohnbedeckt – die Metaphysik? Und der Regen, der die Fülle der Worte zerschlug mit einem Nichts und vielen Vögeln?« (aus einem Gedicht von Pablo Neruda, aus Residencia en la Tierra, 3. Band, übersetzt vom Komponisten)

abgeschlossen am 17. November 2019 in Wien
Aufführungsdauer: 2'33''


No. 6 »Einen Walzer für die Wölfe (zum Traum der Henne ohne des Fuchses Krallen)« (aus dem Gedicht Trauriges Stelldichein mit Charlie Chaplin von Rafael Alberti, übersetzt von Erich Arendt)

abgeschlossen am 4. Dezember 2019 in Wien
Aufführungsdauer: 2'20''


No. 7 »Salz erblindete. Tränen verrauschten. Denken kreiste.« (aus dem Gedicht Puschkin-Variation von Boris Pasternak, übersetzt von Christel Pesch)

abgeschlossen am 7. Dezember 2019 in Wien
Aufführungsdauer: 2'31''


No. 8 »Die Reinheit der Morgenluft fing an, sich mit der Säuerlichkeit des Tages zu füllen.« (aus dem Mann ohne Eigenschaften I. Teil, Kapitel 13 von Robert Musil)

abgeschlossen am 21. Jänner 2020 in Wien
Aufführungsdauer: 1'42''


No. 9 »Am Rande des Märchens strickt die Nacht sich Rosen« (aus dem Gedicht Rosen schreiten auf Straßen aus Porzellan von Hans Arp)

abgeschlossen am 23. Jänner 2020 in Wien
Aufführungsdauer: 4'03''


No. 10 »Auf einmal mussten die Fische beatmet werden – unter künstlicher Haut liegen die Teiche.« (aus dem Gedicht Das Ohr in der Uhr von Durs Grünbein)

abgeschlossen am 24. Jänner 2020 in Wien
Aufführungsdauer: 1'15''


No. 11 »Breitengrade zerlegt – eine neue Flora – bedeckt die Erde« (aus dem Gedicht Linien von Shuntarō Tanikawa, übersetzt von Eduard Klopfenstein)

abgeschlossen am 26. Jänner 2020 in Wien
Aufführungsdauer: 2'34''


No. 12 »Blau ist die Farbe deines gelben Haares – Rot ist das Girren deines grünen Vogels« (aus dem Gedicht An Anna Blume von Kurt Schwitters)

abgeschlossen am 27. Jänner 2020 in Wien
Aufführungsdauer: 3'29''